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Die Anfänge von „Haus Abraham“

 

Am Anfang stand eine Vision.

Der christliche und der muslimische Vorsitzende des Vereins CIG (Christlich-Islamische Gesellschaft Stuttgart), Michael Blume und Murat Aslanoglu, gewannen im Jahr 1998 den Vorstandssprecher der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Meinhard Tenné, für ein gemeinsames interreligiöses Projekt, das ihnen vorschwebte. Sie wollten eine Einrichtung schaffen, die der Begegnung, dem Austausch und der besseren Verständigung zwischen Angehörigen der großen Religionen dienen sollte. Schnell war dafür der viel sagende Titel „Haus Abraham“ gefunden. Ursprünglich wurde an ein eigenes Gebäude gedacht, in dem ein reichhaltiges Programm und eine lebhafte Kommunikation stattfinden sollten. Diese große Vision, die vom Zustandekommen einer finanzkräftigen Stiftung und von einem interreligiös nutzbaren Neubau in Filderstadt ausging, wofür im Jahr 2002 sogar ein erfolgreicher Wettbewerb von Architektur-Diplomanden ausgeschrieben wurde, ließ sich allerdings nicht realisieren. Die Stiftungsidee musste einstweilen fallen gelassen und das Neubauprojekt gestrichen werden, und auch eine weitere Lösung, die sich im Kloster Denkendorf anzeigte, als die ev. Landeskirche die dortige Fortbildungsstätte ausquartierte, kam bei näherer Prüfung der entstehenden Kosten und Verpflichtungen nicht in Betracht.

Da auch nach zahlreichen Versuchen die Mittel für eine Stiftung nicht aufzubringen waren, entschloss man sich zu einer kleineren Lösung: der Gründung eines Vereins „Haus Abraham“.

Die entsprechende Gründungsversammlung fand am 29.April 2007 im Kloster Denkendorf statt. Als Vorstandssprecher für die drei Religionen wurden Meinhard Tenné, Bayram Tasdögen und Dr. Reiner Strunk gewählt. In der Satzung des Vereins wird als Kernaufgabe formuliert: „den Dialog zwischen Judentum, Christentum, Islam und anderen Religionen zu fördern und den Wert der Toleranz auch der Öffentlichkeit nahe zu bringen.“

Angemeldet wurde der Verein anschließend über das Bezirksnotariat Denkendorf beim Amtsgericht Esslingen.

Am 9. September 2007 fand die Auftaktveranstaltung mit dem Titel „Begegnung braucht Orte – Begegnung braucht Menschen“ im Kloster Denkendorf statt, u.a. mit einer Ideenbörse, aus der die Planungen für 2008 hervorgehen sollten. Beabsichtigt war, verschiedene Stile von Veranstaltungen zum Zuge kommen zu lassen, nämlich: Verständigung durch Begegnung zu erreichen (der kommunikative Akzent); die Religionen in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden besser zu verstehen (der kognitive Akzent); und Schritte einer Zusammenarbeit zu gehen (der kooperative Akzent).

Bei der Gründungsversammlung 2007 erklärten 30 Personen ihre Bereitschaft, Mitglied im Verein „Haus Abraham“ zu werden. Anfang November waren es 66, Ende März 2008 bereits 112 Mitglieder.

In den Jahren 2008 und 2009 erfolgten Sondierungsgespräche über einen künftigen neuen Standort des Vereins, weil die Schließung des Klosters Denkendorf bevorstand und der Verein über keine Mittel verfügte, das Gebäude zu erwerben oder zu pachten. Eine ansprechende Adresse in Stuttgart, in den Räumen des Paul-Gerhardt-Hofes, bot sich an. Zur selben Zeit ließ K.H.Blickle sein Interesse an einer Wiederbelebung des ehemaligen „Stuttgarter Lehrhauses“ erkennen, jetzt allerdings über den jüdisch-christlichen Dialog hinaus erweitert für das Programm eines Trialogs zwischen Judentum, Christentum und Islam. Unter dem Dach dieses „Lehrhauses“ sollte das „Haus Abraham“ als selbständige Einrichtung unterkommen.

Ende 2009 wurde der Abschied vom Kloster Denkendorf und der Umzug nach Stuttgart vollzogen. Ab Januar 2010 standen für den Verein ein kleines Büro sowie Tagungs- und Veranstaltungsräume im Paul-Gerhardt-Zentrum zur Verfügung. Die Mietkosten trägt seither das „Stuttgarter Lehrhaus“.

(Reiner Strunk)                                                                                     Juni 2015